Veröffentlicht am 17.09.2026

Wege ins Handwerk: CraftTech Innovationsforum bringt Startups, Betriebe und Wissenschaft zusammen

Fünf Startup-Pitches, ein Panel zu Karrierewegen und ein Fachbeitrag zur Finanzierung: Das dritte CraftTech Innovationsforum am 15. September 2026 in der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main.

© Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main

(Frankfurt, 16.09.2026) Zu einer Karriere im Handwerk führen viele Wege: über die Weiterbildung nach der Ausbildung, über eine Gründung oder über die Übernahme eines bestehenden Betriebs. Möglich ist auch der umgekehrte Weg: Handwerkskompetenz in ein Startup einbringen und Werkzeuge entwickeln, die die Branche voranbringen. Das CraftTech Innovationsforum 2026 hat diese Wege sichtbar gemacht. Zum dritten Mal hatten Frankfurt Forward, das Startup-Projekt der Stadt Frankfurt am Main, die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main und die Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) gemeinsam eingeladen, diesmal in die Räume der Handwerkskammer im Kettenhofweg.

Unter dem Thema „Die Vielfalt im Handwerk“ stand die Frage im Mittelpunkt, wie Innovation und unterschiedliche berufliche Wege die Branche zukunftsfähig halten. Rund 90 Gäste aus Handwerksbetrieben, Gründungsteams und Wissenschaft kamen zusammen. Durch den Abend führte Christoph Krause, Speaker und Podcaster mit den Schwerpunkten Künstliche Intelligenz und Robotik im Handwerk und Mittelstand.

Fünf Startups zeigten, wie Technologie und Handwerk zusammenwachsen

Im Zentrum des Programms standen fünf Pitches. In jeweils fünf Minuten stellten die Teams ihre Lösungen vor und beantworteten Fragen aus dem Publikum: „Ab in die Pause“ (Nabil Al-Monaoar, Gründer und Entwickler und Sina Nick): mobile Lösung für Zeiterfassung sowie Stunden- und Urlaubskontrolle | „Cosy Green“ (Alexander Hirsch, CEO): KI-gestützte Heizungsoptimierung für Mehrfamilienhäuser | „Kenergy Solutions“ (Jacob Bürkle und Marcel Decker, Co-Founder): vollautomatisierte Photovoltaik-Planung auf Basis von Satellitendaten | „CLAWBUIS“ (Samir Ballhausen, Schreinermeister und Gründer): agentisches KI-System für den Arbeitsalltag im Handwerk, von der Planung über die Kalkulation bis zur Stückliste | „IWAND“ (Iwan Laumann, Gründer und Entwickler): nachhaltiges Raumteiler- und Gestaltungssystem

„Frankfurt lebt davon, dass Branchen sich gegenseitig weiterbringen. Wenn junge Technologieunternehmen und Handwerksbetriebe zusammenarbeiten, entstehen Lösungen, die beide Seiten wettbewerbsfähiger machen. Deshalb führen wir dieses Format bewusst fort“, erklärt Dr. Nils Kößler, Bürgermeister und Dezernent für Wirtschaft, Recht und Innovation der Stadt Frankfurt am Main.

Panel-Talk: Karrierewege im und mit dem Handwerk

Wie unterschiedlich der Weg in die berufliche Selbstständigkeit verlaufen kann, zeigte das anschließende Panel. Jens Schirmer-Arendt von Nolte Bedachungen aus Frankfurt berichtete von seiner Unternehmensnachfolge: Nach einer Beratung im Handwerkskammer-Projekt yourPUSH für Studienzweifler brach er sein Studium ab, absolvierte eine Ausbildung zum Zimmerer, legte die Meisterprüfung ab und übernahm mit Unterstützung der Betriebsberatung der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main einen Frankfurter Dachdeckermeisterbetrieb. Der Betrieb besteht seit den frühen 1990er-Jahren, bildet aus und ist neben Steil- und Flachdächern auf Schieferarbeiten, Gründächer und energetische Dachsanierungen spezialisiert. 2025 wurde die Übernahme mit dem Frankfurter Gründerpreis ausgezeichnet. „Karrierewege wie die von Jens Schirmer-Arendt zeigen, dass Handwerk kein Plan B ist, sondern eine echte Perspektive – mit der Chance, Verantwortung zu übernehmen, ein Unternehmen zu gestalten und die eigene berufliche Zukunft selbst in die Hand zu nehmen“, so Handwerkskammer-Präsidentin Susanne Haus.

Eine weitere Perspektive brachten Yasmin Walz, Louise Schneider, Melda Demir und Vinolia Machmor ein. Die vier Architekturstudentinnen gründen derzeit ReUseCity. Ihre Online-Plattform soll Leerstand an Kreativ-Startups vermitteln, den Umbau der Flächen wollen sie über einen regionalen Handwerker-Pool organisieren. „Mit ReUse-City wird sichtbar, wie aus studentischen Ideen konkrete Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen entstehen können. Die Gründerinnen denken Stadtentwicklung, Kreativwirtschaft und Handwerk zusammen und schaffen damit Mehrwert für die gesamte Region Frankfurt RheinMain. Solcher Gründergeist ist ein wichtiger Motor für Innovation und Transfer. Deshalb fördern wir an der Frankfurt UAS gezielt den Weg von der Idee zur Umsetzung“, so Prof. Dr. Susanne Rägle, Vizepräsidentin für Forschung, Transfer und Internationalisierung der Frankfurt UAS.

Zusammen machten die Beiträge deutlich: Zum Erfolg im Handwerk führt die Übernahme eines bestehenden Betriebs ebenso wie die Gründung eines Startups oder die Entwicklung eines neuen Geschäftsmodells an der Schnittstelle von Architektur, Kreativwirtschaft und Handwerk.

Worauf es bei der Finanzierung ankommt

Tage Bo Flebbe, Chief of Staff bei Futury, gab anschließend einen Einblick in die Startup-Finanzierung: worauf es bei der Kapitalaufnahme junger Unternehmen ankommt und was Gründungsteams mitbringen müssen, um für Investoren interessant zu werden. Seine Beispiele stammten aus dem Handwerksumfeld.

Kulinarik von Food-Startups aus der Region

Auch kulinarisch setzte das Forum auf Gründergeist: „Atelier Cream“ (Linda Adams) präsentierte Premium-Cookies, „Jake’s Beverages“ (Gero Kästle und Daniela Escobar Balaguerra) stille Limonaden mit natürlichen Aromen und die Bäckerei Ouwe (Marius Hörle) Bio-Sauerteigbrot. Die drei Startups waren mit eigenen Ständen vor Ort, das Catering kam von „Foodvoju“ aus Karben.

Nach dem offiziellen Programm setzte sich der Austausch am Buffet und an den Ständen fort. Darum geht es beim CraftTech Innovationsforum: die richtigen Menschen aus Handwerk, Startups und Wissenschaft zusammenzubringen und Raum für gemeinsame Vorhaben zu schaffen.

Zum Hintergrund

Das CraftTech Innovationsforum startete 2024 als Auftakt einer Kooperation von Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, Frankfurt AUS und Frankfurt Forward. Die zweite Auflage im September 2025 im House of Science and Transfer (HoST) der Frankfurt AUS stand damals unter dem Leitgedanken „vom Werkzeug zum smarten Assistenten“ und rückte Künstliche Intelligenz in den Mittelpunkt. 2026 standen die Menschen und ihre Wege im Vordergrund.

Über die Partner

Die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main ist als Körperschaft öffentlichen Rechts erste Ansprechpartnerin für mehr als 33.000 Handwerksbetriebe mit knapp 170.000 Beschäftigten und rund 9.000 Auszubildenden in der Metropolregion Rhein-Main (Landkreise Hochtaunus, Main-Taunus, Groß-Gerau, Offenbach, Darmstadt-Dieburg, Bergstraße, Odenwald sowie die kreisfreien Städte Frankfurt am Main, Darmstadt und Offenbach). Die Mitgliedsbetriebe der Kammer generierten einen Umsatz in Höhe von 20,1 Milliarden Euro im Jahr 2025. Zu den Kernaufgaben der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main zählen neben Aspekten der hoheitlichen Selbstverwaltung des Handwerks - wie etwa Ausbildung, Prüfungswesen und Führen der Handwerks- und Lehrlingsrolle - auch berufliche Bildungsangebote, Nachwuchskräfteförderung und vielfältige Beratungsangebote für Betriebsinhaber, wie beispielsweise zu Themen der Betriebsübergabe an nachfolgende Generationen. Als Botschafter des Handwerks zählt auch die Interessensvertretung auf regionaler, Bundes- sowie EU-Ebene zu den Aufgaben der Handwerkskammer. www.handwerkskammer-rhein-main.de

Frankfurt Forward ist das Startup-Projekt der Stadt Frankfurt am Main. Als unabhängiger Matchmaker und Impulsgeber für das Startup-Ökosystem FrankfurtRheinMain bringt die Initiative Gründungsteams mit etablierten Unternehmen, Investoren sowie Politik und Verwaltung zusammen. Durch Vernetzung und Wissenstransfer unterstützt Frankfurt Forward die Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle und fördert Innovation und Digitalisierung am Standort Frankfurt.

Die Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) ist mit rund 14.500 Studierenden und 1.000 Lehrenden, Forschenden und Mitarbeitenden im Herzen von Frankfurt am Main eine der größten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Deutschland. Durch Partnerschaften mit weltweit rund 200 Hochschulen ist sie in einer globalen Bildungswelt gut vernetzt. Vier Fachbereiche bieten 72 Studiengänge mit technischer, wirtschaftlich-rechtlicher und sozialer Ausrichtung an. Wissens- und Technologietransfer bündelt sie unter anderem im House of Science and Transfer (HoST).