Veröffentlicht am 02.11.2026

Handwerk bildet verlässlich aus, Gesamtsituation am Ausbildungsmarkt verschärft sich.

Die in der vergangenen Woche vorgestellte Ausbildungsmarktbilanz 2025/26 für Hessen ist ernüchternd: Knapp 38.000 Bewerberinnen und Bewerbern standen nur rund 29.500 gemeldete Ausbildungsstellen gegenüber, 10,3 Prozent weniger als im Vorjahr.

Eine Frau mit Brille und braunem Blazer lächelt freundlich, während sie jemandem die Hand schüttelt. Im Hintergrund sind Dekorationsgegenstände zu sehen.

© Andrii Zastrozhnov/stock.adobe.com

Davon waren rund 18.000 Stellen der IHK und gut 4.600 der Handwerkskammer zuzuordnen. Der Rest verteilte sich auf Freie Berufe, die Landwirtschaftskammer und den Öffentlichen Dienst.

Die Folge: Eine mittelfristige Verschärfung des schon jetzt bestehenden Fachkräftemangels. Gleichzeitig ist die Arbeitsmarktsituation bei jungen Menschen alarmierend. Die Arbeitslosenquote liegt bei 6,4 Prozent. Und von den jungen Arbeitslosen haben über 77 Prozent keinen Berufsabschluss.

Gleichzeitig ist das Interesse junger Menschen an einer dualen Ausbildung weiter ansteigend. In ganz Hessen waren 37.677 Jugendliche auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz, 1.404 Bewerbende mehr als im Vorjahr. Vor allem im Rhein-Main Gebiet, dem Main-Taunus-Kreis, in Frankfurt und Wiesbaden war das Interesse im Vorjahresvergleich besonders groß.

Die Zahl der jungen Menschen, die Ende September immer noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz waren, stieg um 14,7 Prozent auf 4.177. Das entspricht gut 11 Prozent aller Bewerbenden.

Arbeitsmarktsituation junger Menschen alarmierend

Die duale Ausbildung ist eine wichtige Säule, um jungen Menschen den Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen und der beste Schutz vor künftiger Arbeitslosigkeit. Die individuelle und gesellschaftliche Bedeutung der Ausbildung wird besonders deutlich, wenn man einen Blick auf die aktuelle Arbeitsmarktsituation der unter 25jährigen in Hessen wirft. Von den Ende Oktober rund 210.000 Arbeitslosen in Hessen waren 11 Prozent junge Menschen im Alter von 15 bis 25 Jahren (U25). Die Arbeitslosenquote in dieser Gruppe liegt aktuell bei 6,4 Prozent und damit 0,5 Prozentpunkte über der hessenweiten Quote.

Und bei uns?

Im Kammerbezirk Frankfurt-Rhein-Main sind die neuen Ausbildungsstellen auf gleichem Niveau geblieben wie im vergangenen Jahr. Die Betriebe bilden also auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten verlässlich aus.

 

Für HWK-Präsidentin Susanne Haus ist die Investition in Ausbildung eine gesellschaftliche Gemeinschaftsaufgabe:

 „Das Handwerk bietet jungen Menschen hervorragende Zukunftsperspektiven! Trotzdem bleiben Stellen auch im Handwerk unbesetzt, was man nur mit Blick auf die Statistik nicht vermuten würde. Wir müssen die Attraktivität der dualen Ausbildung weiter stärken, Ausbildungsbetriebe unterstützen und Jugendliche frühzeitig dabei begleiten, den Beruf zu finden, der wirklich zu ihnen passt. Wer also die Fachkräfte von morgen sichern will, muss heute in schulische Bildung und Ausbildung investieren – eine Gemeinschaftsaufgabe von Schulen, Eltern, Politik und Wirtschaft!“

 Wie das in der Praxis gelingt, zeigte der Betrieb Engelhardt Haus in Erbach im Odenwald, den Susanne Haus gemeinsam mit Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, besucht hat. Der Holzbau-Spezialist ist ein Familienunternehmen in siebter Generation mit 26 Mitarbeitenden und setzt auf frühe Bindung: Praktika, Jobben zur Überbrückung bis zum Ausbildungsstart und Unterstützung auf dem Weg zum Meister. Ein tolles Beispiel dafür, wie gerade Handwerksbetriebe im ländlichen Raum ihre Stärken in der Ausbildung ausspielen können.