16.04.2026
Sperrung der Zeller Brücke belastet weiterhin Großteil der Unternehmen
Drei Viertel der Unternehmen im Einzugsgebiet der B45 im Odenwald leiden weiterhin unter der Sperrung der Zeller Brücke. Die Situation für Pendler hat sich jedoch nach der Wiederinbetriebnahme der Odenwaldbahn verbessert. Das ergeben die Antworten von über 200 Unternehmen auf eine aktuelle Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt Rhein Main Neckar, der Handwerkskammer (HWK) Frankfurt-Rhein-Main und der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) Darmstadt und Südhessen.
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Kurz nach der Sperrung der Zeller Brücke wurden ansässige Unternehmen bereits zu den Auswirkungen befragt. Die aktuelle Umfrage bündelt erstmals die Antworten von IHK-Mitgliedsunternehmen und Handwerksbetrieben und liefert damit – knapp ein Jahr später – ein umfassendes, aktuelles Bild der Effekte auf die regionale Wirtschaft.
In der Befragung berichten 78 Prozent der Unternehmen, von der Sperrung der Zeller Brücke betroffen zu sein (Umfragen 2025: IHK 73 Prozent, HWK 74 Prozent). 36 Prozent der Unternehmen stufen die Auswirkungen sogar als stark oder sehr stark ein; im Vorjahr gaben dies gegenüber der IHK 45 Prozent der Betriebe an, gegenüber der HWK 52 Prozent.
„Die Wiederinbetriebnahme der Odenwaldbahn hat vermutlich dazu beigetragen, die Auswirkungen auf die Pendler etwas abzumildern. Auch wenn die Arbeitgeberattraktivität weiterhin unter der Sperrung leidet, hat sich die Situation für Pendlerinnen und Pendler im Vergleich zur Situation unmittelbar nach der Sperrung von Brücke und Bahnstrecke insgesamt verbessert“, sagt Armin Bayer, Abteilungsleiter Wirtschaftspolitik der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. So verlängern sich die Wegzeiten der Mitarbeitenden bei rund einem Drittel (35 Prozent) der Unternehmen um mehr als 15 Minuten pro Strecke. Im Vorjahr gaben dies in der IHK-Umfrage noch drei Viertel der Betriebe (75 Prozent) an, im Handwerk waren es 81 Prozent. „Das zeigt, wie wichtig ein Mix aus Verkehrsmitteln und gut funktionierende Umleitungsstrecken für die Resilienz der Verkehrsinfrastruktur sind“, so Armin Bayer weiter.
Die finanziellen Effekte bleiben in Summe schwer einzuschätzen; die Antworten der Unternehmen gehen weit auseinander. So berichten einige Betriebe von keinen Umsatzeffekten. Andere nennen dagegen Umsatzeinbußen von bis zu 10.000 Euro pro Monat durch die schlechtere Erreichbarkeit für Kunden und durch die Kosten für längere Anfahrtszeiten, die beispielsweise bei Monteurstätigkeiten entstehen. Bei den Mehrkosten für Logistik reicht die Spanne ähnlich weit.
„Der Großteil der ansässigen Unternehmen wird weiterhin durch die Brückensperrung belastet“, sagt Dr. Daniel Theobald, Geschäftsbereichsleiter Unternehmen und Standort bei der IHK Darmstadt. „Auch wenn sich für die finanziellen Effekte kein scharfes Bild zeichnen lässt: Die Belastungen sind im Einzelfall beachtlich. Der straffe Zeitplan für den Neubau der Brücke ist daher unbedingt zu begrüßen.“
Die IHK, HWK und VhU fordern, Lehren aus dem Beispiel der Zeller Brücke zu ziehen. „Nicht neben jeder maroden Straßenbrücke gibt es eine einfache Umleitungsstrecke oder parallel verlaufende Schienenanbindung“, sagt Dirk Widuch, Geschäftsführer der VhU-Geschäftsstelle Darmstadt und Südhessen. „Umso wichtiger ist es, bei sanierungsbedürftigen Brücken frühzeitig Vorbereitungen für das Worst-Case-Szenario zu treffen.“ Wenn sich beispielsweise abzeichne, dass eine Brücke in Zukunft gesperrt werden müsse, und es keine Ausweichrouten gebe, solle ein vollseitiger Ersatzneubau, also eine Brücke neben der bestehenden Brücke, in Betracht gezogen werden. Zum anderen sollten die Prozesse zur Realisierung von Ersatzneubauten beschleunigt werden, von der politischen Entscheidung über das Genehmigungsverfahren bis hin zur Vergabe. „Die schnellen Prozesse bei der Zeller Brücke müssen vom Sonderfall zum neuen Standard werden“, fordert Widuch.
An der Umfrage haben sich 210 Betriebe beteiligt. Befragt wurden Betriebe der am meisten betroffenen Gemeinden entlang der B45 (Groß-Umstadt, Otzberg, Bad-König, Breuberg, Brombachtal, Erbach, Höchst, Michelstadt, Mossautal, Oberzent).
Über die IHK Darmstadt
Die IHK Darmstadt Rhein Main Neckar vertritt das Gesamtinteresse von 65.000 Mitgliedsunternehmen aus Südhessen gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Sie vernetzt relevante Akteure, liefert Impulse und gestaltet die Wirtschaftsregion mit. Zum IHK-Bezirk gehören die kreisfreie Stadt Darmstadt sowie die vier Landkreise Bergstraße, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau und Odenwald. Durch Bildung, Beratung und vielfältige Serviceangebote stärkt die IHK die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Mitglieder und befähigt Menschen zu einem selbstbestimmten (Berufs-)Leben. Die IHK lebt das Prinzip der Selbstverwaltung der Wirtschaft, fördert den fairen Wettbewerb, setzt sich für aufrichtiges, vertrauenswürdiges Verhalten im Wirtschaftsleben ein und übernimmt gesellschaftliche Verantwortung. Über politische Positionen und das Budget entscheidet die IHK-Vollversammlung, in der 72 gewählte Unternehmerinnen und Unternehmer ehrenamtlich aktiv sind. Hauptamtlich sind bei der IHK rund 150 Menschen beschäftigt. www.ihk.de/darmstadt
Über die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main
Die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main ist als Körperschaft öffentlichen Rechts erste Ansprechpartnerin für mehr als 33.000 Handwerksbetriebe mit knapp 170.000 Beschäftigten und rund 9.000 Auszubildenden in der Metropolregion Rhein-Main (Landkreise Hochtaunus, Main-Taunus, Groß-Gerau, Offenbach, Darmstadt-Dieburg, Bergstraße, Odenwald sowie die kreisfreien Städte Frankfurt am Main, Darmstadt und Offenbach). Als „Wirtschaftsmacht von Nebenan“ generierten die Mitgliedsbetriebe der Kammer einen Umsatz in Höhe von 20,1 Milliarden Euro im Jahr 2025. Zu den Kernaufgaben der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main zählen neben Aspekten der hoheitlichen Selbstverwaltung des Handwerks - wie etwa Ausbildung, Prüfungswesen und Führen der Handwerks- und Lehrlingsrolle - auch berufliche Bildungsangebote, Nachwuchskräfteförderung und vielfältige Beratungsangebote für Betriebsinhaber, wie beispielsweise zu Themen der Betriebsübergabe an nachfolgende Generationen. Als Botschafter des Handwerks zählt auch die Interessensvertretung auf regionaler, Bundes- sowie EU-Ebene zu den Aufgaben der Handwerkskammer. www.handwerkskammer-rhein-main.de
Über die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU)
Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e.V. (VhU) ist die Spitzenorganisation der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände in Hessen. Mit 83 Mitgliedsverbänden aus Industrie, Handel, Banken, Versicherungen, Dienstleistern und weiteren Wirtschaftszweigen vertritt sie die politischen und rechtlichen Interessen der Mitgliedsverbände und der ihnen angeschlossenen über 100.000 Unternehmen gegenüber der Landesregierung, Behörden, öffentlich-rechtlichen Körperschaften, Parteien und gesetzgebenden Organen. Die Geschäftsstelle Darmstadt und Südhessen nimmt vor Ort in Darmstadt und den vier südhessischen Landkreisen diese Aufgaben wahr. Sie sieht sich als Mitgestalter wettbewerbsfähiger Rahmenbedingungen für die Wirtschaft und orientiert sich an den ordnungspolitischen Regeln der sozialen Marktwirtschaft - unabhängig von der jeweiligen Regierung. www.vhu.de